<< 1. Weltkrieg und Inflation >>
Im August 1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Für das Werk bedeutete das einschneidende Veränderungen und Einschränkungen, denn der Bezug der für die Produktion notwendigen Baumwollgarne aus dem Ausland war nunmehr in Frage gestellt. Zwar galten Rohbaumwolle und Baumwollgarne nach der Londoner Seerechtserklärung nicht als Bannware, jedoch war ab Anfang 1915 die Einfuhr kaum mehr möglich.
Am 07.12.1915 wurden Baumwolle und Baumwollgarne vom Staat beschlagnahmt. England betrieb den Boykott Deutschlands mit Baumwolle. Die Produktion mußte auf ein Drittel der Friedensleistung eingeschränkt werden. Nur Höchstleistungsbetriebe erhielten von der Reichswehr Aufträge und damit Baumwolle zugewiesen. Da auch das Unternehmen zu diesen Betrieben zählte, konnte der Betrieb vorläufig weitergeführt werden.
Mit zunehmender Dauer des Krieges waren Rohbaumwolle und Baumwollgarne praktisch nicht mehr verfügbar. Die Firmenleitung stellte daher das Werk teilweise auf die technisch schwierigere Papierspinnerei- und weberei um.
Die Papiergarne und Papiergewebe fanden guten Absatz; es wurden daraus hauptsächlich Hausschuhe hergestellt, die in der Weberei produzierten
Gewebe wurden für Tapeten verwendet. Auch waren die Papiergewebe ein guter Ersatz für Jute, so daß sie für Säcke verwendet werden konnten.
In der Schlosserei, die mit neuesten Maschinen ausgestattet war, wurden Geschosse für den Rüstungsbedarf bearbeitet.
126 Werksangehörige waren in den Krieg gezogen - 25 davon waren bei Kriegsende gefallen oder vermißt. Die Familien der Kriegsteilnehmer erhielten vom Werk Zuwendungen an Geld und Lebensmittelgutscheinen.
Ab Juli 1919 konnten dann wieder Rohstoffe vom Ausland bezogen werden.
Schon bald nach Kriegsende machte sich die Inflation bemerkbar, die immer schneller galoppierte. Anfang Januar 1923 kostete der Dollar 7.260 Reichsmark, am 20.11.1923 notierte er bei 4,2 Billionen Papiermark. Allein im Jahr 1922 mußten die Löhne 18 x dem veränderten Geldwert angepaßt werden.
Dies verursachte vor allem bei der Auszahlung der Löhne erhebliche Probleme. Obwohl die Firma über ausreichend hohe Guthaben bei den Banken verfügte, waren diese mehrmals nicht in der Lage, die für die Auszahlung der Löhne notwendigen Geldscheine bereitzustellen. Die Firmenleitung behalf sich daher mit Gutscheinen, die die Firma Gütermann & Co in Gutach druckte.

Auch die Aufstellung von Bilanzen bereitete wegen der astronomischen Summen, die zu bilanzieren waren, einige Schwierigkeiten.

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